Hill of Tara (County Meath)
Trotz
seines ausgesprochen prominenten Namens ist der Hill of Tara
ausgesprochen unspektakulär, der Name ist gewissermaßen
Programm. Es ist ein Hügel mit ein paar Gräben und
die eigentliche Schönheit erschließt sich einem eher
aus der Vogelperspektive.
Warum sollte man trotzdem vorbei schauen? Nun ja, es ist ein
besonderer Ort voller Magie, dieser Hügel der Könige
und an einem schönen Tag (ja so etwas gibt es auch in Irland)
ist die Aussicht einfach spektakulär.
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Der
Hill of Tara aus der Vogelperspektive.
Photo: Wikipedia
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Tatsächlich
kommt der Name vom altirischen Temair, was man als "Ort der schönen
Aussicht" übersetzen könnte. Das Konzept
der Anlage erschließt sich erst aus der Vogelperspektive. Auf
der Hügelkuppe sind direkt nebeneinander, zwei doppelte Ringgräben
ausgehoben. Von oben betrachtet erinnern sie ein wenig an Eulenaugen.
Tatsächlich soll es sich dabei um ein eisenzeitliches Ringfort
handeln, Ráith na Rig, das Fort der Könige oder aber die
"Royal Enclosure".
Im Zentrum des einen Rings befindet sich "Cormacs House" im
Zentrum des anderen Rings Lia Fáil, der Stein des Schicksals.
Der Legende nach sollen hier die irischen Hochkönige gekrönt
worden sein. Wer
sich auf dem Luftbild wundert, wo denn das tolle Haus des Cormac geblieben
ist, die Frage kann ich leider auch nicht beantworten. Der Stein, von
dem man glaubt oder auch nicht, es handele sich vielleicht um den originalen
Stein des Schicksals, steht aber tatsächlich da.
Mit diesem
Lia Fáil hat es nun eine ganz besondere Bewandtnis.
Ursprünglich soll er aus Stadt Falias im Norden stammen und hart
wie ein Diamant sein. Es heißt, wenn ein würdiger König
ihn berühre, stieße er einen Schrei aus, den man in ganz
Irland hört. Der Stein gilt daher auch als eine Art nationales
Symbol.
Im
Hintergrund steht Lia Fáil, der Stein des Schicksals |
Eine
Doppelgraben um gibt die beiden Forts |
Zum
Hill of Tara geht man vor allem wegen der wunderschönen Aussicht
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Nun
vermuten manche Zeitgenossen, dass der echte Schicksalsstein lange weg
ist und identisch mit dem Stone of Scone. Der ist nämlich
auch ziemlich berühmt und weithin bekannt unter dem Namen "Stein
des Schicksals". Viel Glück hat er den Schotten aber nicht
gebracht. Für Jahrhunderte lag unter dem Krönungsthron britischer
Monarchen als Symbol der Einheit von Schottland und England.
Dass die Schotten den da nicht freiwillig hingelegt haben versteht sich
von selbst. Die Beiden mögen Nachbar sein, gute Freunde ganz sicher
aber nicht. Der Stone of Scone kam übrigens 1996 zurück
nach Schottland und ist dieser Tage im Edinburgher Schloss zu sehen.
Letzteres ist wirklich eine Reise wert, der Stein selber na ja.
Die
Frage, ob der originale Lia Fáil in Tara steht oder
aber in Schottland oder ob es einfach zwei davon gibt oder gar keinen,
weiß ich nicht zu beantworten. Ich kann mich nicht mehr erinnern,
ob ich den in schottischen Schicksalsstein bei meinem Besuch damals
angepatscht hab, den in Tara auf jeden Fall aber schon. Was soll ich
sagen, er hat nicht geschrien. Ob das nun bedeutet, dass er falsch ist?
Wer weiß, wer weiß.
Nördlich
der Ringforts befindet sich der wohl auffälligste Teil des Hill
of Tara, der sogenannte Hügel der Geiseln (Mound of the Hostages).
Dabei handelt es sich eigentlich um ein neolithisches Ganggrab. Es ist
datiert um 2000 vor Christus. Der Durchgang ist ausgerichtet auf den
8. November und den 4. Februar. Diese Daten markieren die beiden keltischen
Feste Samhain, nach keltischer Rechnung der Winteranfang, und
Imbolg, dass als keltischer Vorläufer von Mariä Lichtmess
gilt.
Imbolg liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen Wintersonnenwende
und dem Frühjahrsequinox (Tag und Nacht Gleiche). Es gilt als eines
der vier fundamentalen Feste des keltischen Kalenders und steht, wie
sollte es anders sein, im Zusammenhang mit einem Fruchtbarkeitsritual.
Er
wurde später als Fest der heiligen Brigitte begangen. Die Göttin
des Feuers, auch der Heilung und Fruchtbarkeit, ist die stellvertretende
Schutzheilige Irlands. Obwohl Imbolg wohl nur in Irland begangen
wurde, ist das Datum auch in anderen Regionen von Bedeutung. Je nachdem
wird der 1., 2. oder eben 4. Februar begangen, in Amerika und Kanada
heißt das Ganze dann Groundhog Day.
Samhain,
das als kleiner Nachtrag, fiel eigentlich auf den 1. November und entspricht
damit Allerheiligen. Der Vorabend des 1. November ist das gute alte
All hallows eve oder wie wir in Neuenglisch sagen: Halloween.
Das ist nach wie vor einer der wichtigsten Feiertage in Irland und wird
mit Süßigkeiten schnorren (Kinder), Böllergeknalle und
viel, viel Alkohol begangen.
Die
Statue des Heiligen Patrick |
Kommen
wir zurück zum Thema Hill of Tara. Neben dem bereits erwähnten
Monumenten sehenswert ist noch Banqueting Hall. Obwohl der Name anderes
vermuten lässt, handelt es sich dabei vermutlich aber um eine Art
Prozessionsstraße. Es gibt darüber hinaus noch ein paar kleine
Forts, die aber noch etwas unscheinbarer sind als bereits genannte.
Wer auf der Suche nach verfallenen Schlössern und Ruinen ist, sollte
Hill of Tara auslassen. Es gibt wirklich überhaupt und gar nichts
zu sehen.
Der
Vollständigkeit halber erwähnen wollen wir immerhin noch Ráith
Laoghaire und Rath Maeve ein paar hundert Meter südlich.
In ersterem soll gleichnamiger König in übrigens aufrechter
Position begraben worden sein. Dieser Lóegaire war der
angeblich letzte heidnische König Irlands. Rath Maeve
gehörte der legendären Königin Medb Lethderg.
Alles in allem ist das Ganze wenig spektakulär, viel auffälliger
sind da schon die Kapelle mit angeschlossenem Friedhof und die tolle
St. Patrick Staue gleich daneben. Mit dem eigentlichen Hill of Tara
haben die zwar nichts zu tun, aber wenigstens sind sie auch für
die Augen Sterblicher sichtbar.
Warum
ist der Hill of Tara nun so berühmt? Das Ganze hat mit seiner Rolle
in der irischen Geschichte zu tun. Die ältesten Funde vor Ort deuten
an, dass er schon während des Neolithikum in Verwendung war. In
der keltischen Phase erlangte er seine Bedeutung als Sitz der Könige.
Das ging bis ins 6. Jahrhundert, aber auch danach, genauer gesagt bis
zur Invasion von Richard de Clare 1169.
Es
ist unter Historiker durchaus umstritten, wie viel von Irland diese
Könige von Meath eigentlich beherrschten, man ist sich jedoch ziemlich
sicher, dass Irland nie von einem einzigen König regiert wurde.
Immerhin kamen die Könige von Meath dieser Position ziemlich nahe
und so ist der Hill of Tara bei den Iren fest verwurzelt als der Hügel
der Könige.
Ich persönlich mag den Hill of Tara wegen der tollen Aussicht.
An einem schönen Nachmittag kann man sich da prima niederlassen,
die Seele baumeln und den Blick schweifen lassen. Das ist doch was.
Außerdem liegt er recht dicht an Dublin und damit optimal für
einen kleinen Ausflug. Es müssen nicht immer spektakuläre
Ruinen oder monumentalen Bauten sein. Manchmal tun es auch die grünen
Wiesen und ein paar blökende Schafe. Schließlich ist Irland
vor allem dafür bekannt.
In
den letzten Jahren ist um den Hill of Tara übrigens noch einmal
richtig gestritten worden. Die weisen Regenten der Insel haben eingesehen,
dass der alltägliche Stau auf der N3 eine Zumutung für Pendler
ist und den Neubau einer Autobahn beschlossen. Nun führt die geplante
Trasse bis auf 2.2 Kilometer an den Hill of Tara heran und das rief
- ganz wie in Deutschland - alle möglichen Kritiker auf den Plan.
Vorläufiger Höhepunkt war eine spektakuläre Kunstaktion
im September 2007. Über 1500 Teilnehmer kamen zum Hill of Tara
und formten mit ihren Leibern eine Harfe und die Worte SAVE TARA VALLEY
- Rettet das Tara Tal.
Das
Ganze kam super an und ich verstehe auch die Sorge der Denkmalschützer.
Verständlich ist meiner Ansicht nach aber auch, dass die Pendler,
die jeden Morgen und Abend für zum Teil Stunden im Stau stehen,
da eine etwas andere Sichtweise haben.