Baíle Átha Clíath
Einst
galt Dublin als architektonische Perle, als stadtplanerisches
Gesamtkunstwerk. Der Architekturkritiker Dan Cruickshank sah
die irische Hauptstadt durch die Erhabenheit ihrer öffentlichen
Gebäude, die Schönheit der Stadtplanung mit ihren
zahllosen Plätzen und Terrassenhäusern am Ufer der
Liffey, mit den großzügigen Straßen durch die
City auf Augenhöhe mit Städten wie Venedig, Rom und
Bath.
Heutzutage
lässt sich das nur noch schwer nachvollziehen, immerhin
einige Architekturperlen haben sich erhalten und so schauen
wir uns etwas um.
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Dublin Castle
Ich
gebe ganz offen und ehrlich zu, als ich das erste Mal versucht habe,
das berühmte Stadtschloss zu finden, bin ich dran vorbeigelaufen.
Es liegt ein ganz klein wenig versteckt und eigentlich hatte ich es
auch gesehen, nur ich nicht für möglich gehalten, dass dies
tatsächlich das Schloss ist.
Nennt
mich altmodisch, aber wenn ich mir vor meinem geistigen Auge Schlösser
vorstelle, sind die immer groß und mächtig beeindruckend,
ganz besonders die Schlösser großer Metropolen. Dublin Castle
ist auf seine Art auch beeindruckend, auf den ersten Blick ist nämlich
ziemlich winzig und irgendwie wirkt alles ... wie soll ich sagen ...
bunt!
Erst
wenn man den Schlosshof tatsächlich betritt, erschließt sich
einem, dass es sich beim Schloss um eine Ensemble aus mehreren Gebäuden
handelt und das - als Gesamtkunstwerk versteht sich - es tatsächlich
beeindruckend ist. Klar wir reden hier nicht von Neuschwanstein aber
natürlich hatten die in Dublin auch keinen durchgeknallten Edelbayern
vom Formate eines Ludwig II. als Regenten. Und wer braucht schon ein
prächtiges Schloss?
Die
ältesten Teile des Schlosses stammen aus dem frühen 13. Jahrhundert.
Auf Befehl King John's wurde im Jahre 1204 der Grundstein gelegt
und zwar genau an der Stelle, wo auch die alte Wikingerfeste stand.
Gelegen auf einem alten Hügel sollte es eigentlich ein Bollwerk
gegen innere und äußere Feinde sein, dazu passte, dass es
von Anfang an auch als administratives Zentrum geplant war.
1224
kam eine kleine Kapelle dazu, ansonsten passierte nicht so arg viel.
Die hier residierenden englischen Besatzer waren im 13. und 14. Jahrhundert
eher daran interessiert, von hier aus ihre Untertanen zu verwalten,
als das Schloss zu einer wehrhaften Feste auszubauen. Das hätte
sich 1534 beinahe gerächt, als Thomas Fitzgerald - auch bekannt
als der Seidene Thomas - es mit einer kleinen Belagerung überzog.
Thomas
hatte ganz öffentlich mit dem König gebrochen, da er - wie
es so schön hieß - den Eindruck gewonnen hatte, dass der
König seinen Vater in London hinrichten lassen hatte. Die ganze
Geschichte ist etwas eigenwillig. Die Belagerung des Schlosses war jedenfalls
recht halbherzig und wenig erfolgreich. Als dann auch noch bekannt wurde,
dass der König Truppen entsand hatte, kippte die Gunst der Stadtbevölkerung,
die Menge wandte sich gegen Fitzgerald.
Der
vergalt es ihnen gerade recht und begann statt des Schloss für
eine Weile die Stadt zu belagern. Undankbares Pack wird er sich gedacht
haben. Geklappt hat auch das nicht und das letzte was man vom "Seidenen
Tom" hören ist, dass er gefangen genommen und zusammen mit
fünf seiner Onkel in London hingerichtet wurde.
Was
wir daraus ablesen können ist, dass die Bevölkerung von Dublin
die Belagerung zunächst offenbar guthieß, aber nicht bereit
war, eine offene Rebellion zu riskieren. Tatsächlich war Dublin
Castle unter dem gemeinen Volk alles andere als populär und
ich meine, wie denn auch, wenn die bösen Engländer dort sitzen
und nur ihr Bestes wollen: ihr Geld. Schließlich haben wir auch
nicht vor dem Reichstag gestanden und unserem dicken Sonnenkönig
zugejubelt, als er uns verkündete, dass wir den Gürtel enger
schnallen müssen, da er sich eine neue Residenz in Berlin bauen
wolle.
Ich
war selber natürlich noch nicht da, aber ich hörte, dass das
Kanzleramt zwar nicht besonders schön, dafür aber ganz richtig
doll riesig und vor allem exorbitant teuer geraten sei. Das wundert
mich bei unserem Einheitskanzler Helmut A.D. natürlich überhaupt
nicht. Unter leichtem Größenwahn litt das Blattgemüse
schon immer und jubelnde Menschenmengen sah der Dicke höchsten
mal auf einem CDU Parteitag. Da musste er sich halt selbst ein Denkmal
setzen. Ganz ähnlich war es also auch in Dublin.
Immerhin
wurde verstärkt nun auch an Befesti- und Verteidigungsanlagen gearbeitet.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war es voll ausgebaut mit allem was man
braucht. dazu gehört natürlich ein Gerichtshof, man wollte
seinen ungeliebten und aufmüpfigen Subjekten schließlich
nicht ganz ohne Prozess das Lichtlein ausblasen, sollte diese wieder
mal der Hafer stechen.
Nun
ja wir wollen uns hier gar nicht zu sehr mit der Geschichte aufhalten,
das Schloss ist von außen ein ganz klein wenig unspektakulär,
lohnt aber trotzdem einen Besuch und ich verrate auch gleich warum!
Die "State Apartments"
Der
mit weitem Abstand sehenswerteste Teil des Castles verbirgt sich hinter
den Mauern. In Anbetracht der Regenwahrscheinlichkeit auf der Grünen
Insel trifft sich das eigentlich ganz gut, also schauen wir uns das
Schloss einfach mal von innen an. Die Attraktion von Dublin Castle sind
die sogenannten State Departments mit St. Patricks Hall. Sie werden
übrigens auch heute noch genutzt, allerdings nur zu besonders wichtigen
und vor allem feierlichen Anlässen.
St.
Patricks Hall besteht aus zwei Räumen oder besser Galerien, eine
für Musiker, die zweite für Zuschauer. An der Decke hängen
die Banner der Mitglieder des St. Patrick Ordens, die Aufnahmezeremonie
(Inauguration) findet in eben diesen heiligen Hallen statt. An den Wänden
sind korinthische Säulen aus Gold nachgebildet, das ganze Interieur
wirkt ausgesprochen feierlich.
Besonderes
Highlight sind die Decken. Die Gemälde stammen von Vincenzo Valdré,
einem Maler italienischer Abstammung der von seinem Gönner dem
Vizekönig Lord Temple nach Irland gebracht worden war. 1792 wurde
er bestellt zum "Architect and Inspector of Civil Buildings",
ein höchst ehrenvoller Titel.
Die
Gemälde stellen zum einen George III. zwischen Brittannia und Hibernia
dar, dazu gesellen sich mehrere Cheruben (Engel), Justitia und Liberty.
Auf dem anderen Panel sehen Henry II. wie er die Kapitulation der irischen
Anführer entgegen nimmt. Das Schloss wurde halt von den bösen
Engländern gebaut und wenn an nichts anderem so sieht man es an
der Auswahl der Motive.
Zu
guter Letzt schauen wir uns auch noch den "Drawing Room" an.
Der wurde 1941 bei einem schweren Feuer völlig zerstört, seitdem
aber ordentlich restauriert. Ob man sich dabei am Original orientierte
ist mir allerdings nicht ganz klar. Es heißt lediglich, dass er
1968 im Stile des 18. Jahrhunderts möbliert wurde. Bemerkenswert
ist auf jeden Fall die Anzahl der Spiegel. Sogar unter den Konsoltischchen
finden sie sich, damit die vornehmen Damen den korrekten Sitz ihres
Petticoats überprüfen konnten.
Wer
sich das Schloss von innen ansehen möchte, muss leider Eintritt
zahlen, wenn man sich für so etwas interessiert, lohnt sich die
Investition allerdings.
Um und herum Dame Street
Wenn
man schon einmal am Schloss ist, sollte man der Dame Street ruhig noch
etwas folgen, bevor man sich ins Getümmel von Temple Bar stürzt.
Nach meiner Erfahrung gibt es kein danach.
In
nur ein paar Metern Entfernung findet sich mit Christ Church eine der
schönsten Kathedralen Irlands. Sie ist Bischofssitz der Diözese
Dublin und Glendalough. Ihre Geschichte geht bis ins Jahr 1038 zurück,
die aller ersten Mauern der Kathedrale wurden also von Wikingern gebaut.
Das
Schema, wie wir es heute besichtigen können, stammt sie aus dem
Jahre 1172. Initiiert wurde der Neubau von Erzbischof O'Toole und dem
normannischen Ritter Richard de Clare. Über den haben die Iren
ansonsten nicht viel Gutes zu berichten. Er ging in die Geschichte ein
als Strongbow und ja dies war der berüchtigte welche.
Ein
gewisser Trost mag sein, dass das nach ihm benannte Cider Heerscharen
von Engländern heute noch Kopfschmerzen bereitet. Ein aufrechter
Ire fasst das Zeug nicht an, in Irland wird Bulmers getrunken. Das ist
viel, viel leckerer und politisch korrekt. Besagtes Cider sollte man
übrigens probieren, wenn man schon mal auf Irland ist. Meines Wissens
gibt es das im Ausland nicht, höchstens unter dem Pseudonym Magners
in England. Bulmers ist in Sachen Nationalgetränk eigentlich nur
von Guinness übertroffen, nach meiner Erfahrung sind die Nachwehen
beim übermäßigen Guinnessgenuss allerdings erheblich
fataler. Besonders wenn es im Sommer warm ist, ein kleiner Lacher hier
bitte, stellt Bulmers für mich die allererste Wahl dar, wenn es
ums besaufe geht.
Zurück
zur Christ Church. Diese hat seit ihrem Bestehen mehrere ausgiebige
Restaurationen hinter sich. Diese fanden 1358, 1562, 1829 und 1871 statt.
Besonders die letzte war eine rechte Rundumerneuerung und wenn einem
die Kathedrale heute etwas viktorianisch vorkommt, ist das natürlich
kein Zufall.
Ausgeführt
wurde sie seinerzeit von George Edward Street, die dafür notwendige
geradezu astronomische Summe von 230.000 Pfund Sterling stiftete Henry
Roe, der sein Vermögen mit dem "Wasser des Lebens" verdient
hatte. Whisky soff der Ire des ausgehenden 19. Jahrhunderts also für
einen guten Zweck, dasselbe gilt natürlich für Guinness. Die
Familie der Brauereilegende Arthur Guinness war der Stadt seit jeher
stark verbunden und ausgesprochen großzügig mit dem Vermögen,
dass sie durch die Brauerei verdient hatten.
Auffälligstes
Merkmal ist die kleine Brücke, die das Hauptgebäude mit Synod
Hall verbindet. Darunter durch führt die Winetavern Street, eine
heute recht viel befahrene Straße. Die - ja man ist versucht zu
sagen - Galerie ist relativ modern. Sie stammt erst aus den 1870ern,
davor war Synod Hall bekannt als St. Michaels und eine eigenständige
Kirche.
Nur
die allerwenigsten Teile der Kathedrale sind noch "original",
es lohnt sich durchaus, eine kleine Führung mit zu machen. Ansonsten
entgehen einem viele der außergewöhnlichen Merkmale der Kirche.
Einen genauen Blick sollte man zum Beispiel auf die Dachkonstruktion
werfen, und wie die Architekten es geschafft haben, den enormen Druck
von den Mauern zu nehmen.
Wenn
man nur einen Tag in Dublin verbringt, sollte Christ Church auf jeden
Fall mit auf dem Programm stehen.
Der
Bummel entlang der Dame Street ist wohl einer der schönsten von
Dublin, leider ist sie auch eine der meistbefahrenen Straßen der
Innenstadt, das verleidet einem die Sache etwas. Bildet Christ Church
das eine Ende der Straße, wartet am anderen ein ganz besonderes
Highlight: Trinity College.
Der
Besuch in Irlands zentraler Universität ist natürlich ein
Muss. Es ist nicht nur von außen ein beeindruckender Gebäudekomplex,
wie beim Dublin Castle erschließt sich die wahre Schönheit
erst von innen. Hier kann man zum Beispiel das berühmt "Book
of Celts" bestaunen, die Bibliothek gilt nicht nur als eine der
schönsten überhaupt, sie hat wohl auch Macher von ... ja jetzt
weiß ich nicht mehr ob es Star Wars war oder Harry Potter war,
aber es ging um ein große Blockbuster Produktion und Trinity College
war darob sehr erbost, schließlich hatte keiner um Erlaubnis gefragt.
So geht es einem.
Es
gibt sicherlich noch tausend andere feine Sachen zu sehen, die kleinen
Gassen der Altstadt, St. Patrick Cathedral, March Library, George Street
und der überdachte Markt, nicht zu vergessen die Guinness Brauerei,
lauter staunens- und vor allem sehenswerte Dinge allerdings ist meine
Geduld am Ende und wo wir schon einmal da sind, stürzen wir uns
ins Nachtleben.
Temple Bar
Das Herz von Dublin, pulsierender Mittelpunkt und Ziel ganzer Heerscharen
von Touristen und feierwütigen Einheimischen ist das kleine Viertel
zwischen Dame Street und Liffey. In Temple Bar steppt der Bär,
am Wochenende kann man hier zwar nicht treten, aber ohne einen Besuch
des Kneipenviertels hat man Dublin nicht gesehen.
Obwohl
es in mancher Hinsicht eine Touristenattraktion ist, verlaufen sich
hierher vor allem Einheimische. Das Viertel ist der ideal Ort, Iren
einmal in Höchstform, sprich strunzblau zu erleben. Dabei ist die
Stimmung immer gut. Temple Bar ist genau so, wie man sich das Dubliner
Kneipenviertel vorstellt, voller Pubs die zwar so ziemlich jedes Klischee
erfüllen, nur das sie trotzdem irgendwie cool sind. Es hat ein
wenig was von Disneyworld nur das hier eben alles real ist. Willkommen
in Irland
Auch
auf den Straßen tobt das Leben. Hier geben sich verschiedene Straßenmusikanten
und Künstler ein Stelldichein. Auf so etwas stehen nicht nur Touristen
sondern natürlich auch die Dubliner selbst. Es ist nicht ungewöhnlich,
etwas zu verweilen und den teils professionell wirkende Musikanten eine
Weile zu lauschen.
Ein
kleiner Tipp noch für Besucher. So ziemliche jedes Pub in Dublin
hat Bouncer, sprich Türsteher. In vielen Läden sind Turnschuhe
nicht gern gesehen. Wer sich ins Nachtleben stürzen will, darf
die getrost zu Hause lassen.