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Bru na Boinne - das Tal der Könige

Das Boinne-Tal liegt nur wenige Kilometer nördlich von Dublin. Im sogenannten "Tal der Könige" befinden sich einige der großartigsten und ältesten Monumente der Menscheitsgeschichte - Grabmale aus der Zeit der sogenannten Megalith-Kultur.

Das bedeutendste unter ihnen ist sicher Newgrange, das ist aber lange nicht alles. Schauen wir uns doch mal etwas um!

Info: In Newgrange kann es ziemlich voll werden. Zum Grab selber kommt man nur mit einer organisierten Tour. Sobald die Plätze ausgebucht sind, ist Schluss. Rechtzeitiges Kommen ist also Pflicht!





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Dem Wasser des Flusses Boyne wurde seit ältester Zeit eine besondere Fähigkeit zugesprochen: Wer immer im Monat Juni aus dem Boyne trank, dem würde eine besondere Gabe zuteil, er bekäme ein Seher und Poet. Ob Leute das immer noch probieren, kann ich nicht so genau sagen, allerdings habe ich viele Iren getroffen, die sich in verschiedenster Hinsicht für begabt, sehend vielleicht sogar für Propheten halten. Könnte also sein.

Der älteste Literaturhinweis auf den Fluss stammt aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert, Ptolemaios, der große griechische Geograph berichtet in seiner Geographie Irlands vom Fluss Buvinda. Es handelt sich wohl um eine Umschreibung des keltischen Namens und bedeutet soviel wie Wasser der Weisheit.


Nahe Slane beschreibt der Fluss einen Bogen, umschließt ein großes fruchtbares Tal. Hier lebten seit dem Neolithikum Menschen, bearbeiten das ertragreiche Land. Aus der Zeit vor den großen Megalithgräbern ist so gut wie nichts bekannt, die Erbauer von Newgrange, Knowth und Dowth lebten um 3000 vor Christus in dem Gebiet.


Das Phänomen der Ganggräber
Blick auf KnowthUnter einem Megalithgrab versteht man, ganz allgemein gesprochen, einen Begräbnisplatz, der aus großen Steinen besteht. Dabei steht mega für groß und lithos für Stein. Das mag manchem spanisch vorkommen, ist eigentlich aber griechisch.

Allein in Irland soll es an die 1500 dieser Grabmäler geben. Typisch und namensgebend für Ganggräber ist die aus mehr oder weniger großen Monolithen gebildete Passagen (engl. passage tomb). Stets führe sie in eine Grabkammer, deren Form und Größe wiederum sehr unterschiedlich sein kann.

Von außen betrachtet hat das Grab die Form eines Hügels. Je nach Region bestehen die Hügel aus Erde, Stein oder wie im Falle Newgranges und Knowths aus Beidem. Hier wurde der Hügel aus Schichten aufgetürmt, wahrscheinlich um das Innere bestmöglich zu isolieren.

Ganggräber sind eine besonders für den Norden Irlands typische Form. Sie finden sich meist in Gruppen, die Größen variieren dabei beträchtlich. In Brun na Boinne allein gibt es 35-40 dieser Grabhügel. Sie sind mehr oder weniger rund, den äußeren Abschluss bildet bei fast allen ein Ring aus teils monumentalen Kerbsteinen.

In die Kerbsteine sind verschiedene symbolhafte Muster eingraviert. Was genau die einzelnen Motive bedeuten, kann nicht mit letzter Gewissheit geklärt werden. Meist wird ein abstrakt naturalistischer Hintergrund vermutet, seien es Symbole für Jahreszeiten oder auch die Sonne.


Newgrange
Der große Grabhügel von Newgrange ist nicht nur der größte seine Art, er ist auch in Ausführung und Ausstattung einmalig. Der Grabhügel ist 13 Meter hoch, der durchschnittliche Durchmesser beträgt stolze 80 Meter. Ein Ring aus 97 Kerbsteinen, ein jeder drei bis vier Meter lang und im Schnitt über einen Meter hoch, markiert den Umfang des Hügels. Besonders ins Auge fällt der große Stein am Eingang zum Grab. Er ist über und über mit geometrisch anmutenden Spiralmustern verziert. In seiner Ausführung gehört er zu den herausragendsten Beispielen seiner Art.

Newgrange Besucherzentrum Replika Ein 19 Meter langer, bis zu zwei Meter hoher Gang führt in die eigentliche Grabkammer. Er wird aus reich verzierten Monolithen gebildet und ist, wie sich mehr oder weniger zufällig herausstellte, genau auf den Sonnenaufgang der Wintersonnenwende ausgerichtet.

Am 21. Dezember reicht ein schmaler Sonnenstrahl für kurze Zeit bis in die Grabkammer und bietet dem Besucher ein einmaliges Schauspiel. Der genau 17 Zentimeter breite Strahl, der nicht etwa durch den Eingang fällt, sondern durch einen extra dafür eingelassenen Schlitz über der Türkonstruktion, erleuchtet die gesamte Kammer, enthüllt faszinierenden Details, die ganze Magie des Ortes.

Die Grabkammer besteht aus vier verschiedenen Räumen, zusammen bilden sie ein Kreuz. Der zentrale Raum ist vergleichsweise größer, die sie umgebenden kleineren Kammer könnten Nebenräume sein. Ihre Funktion bleibt unklar, doch könnten die in ihnen befindlichen großen Steinbecken ein Indiz sein. Vermutlich wurden hier die für die eigentliche Zermonie in der Zentralkammer bestimmten Substanzen angerührt.


Knowth
Knowth, Blick in den Gang zur Grabkammer Anders jedoch nicht weniger spektakulär ist der zweite große Grabhügel von Bru na Boinne. In Knowth findet sich gleich eine stattliche Anzahl von Hügelgräber, der "Große" ist geradezu eingekreist. Mindestens zwei der 19 Satellitenhügel sind allerdings älter.

Der Durchmesser des größten der Hügel beträgt 80 bis 95 Meter, 127 Kerbsteine umschließen ihn. Die eigentliche Sensation verbigt sich im Innern. Die Erbauer legten gleich zwei Gänge an. Mit 32 und 35 Metern sind sie jeweils fast doppelt so lang wie der von Newgrange. Der östliche Gang endet ebenfalls in einer kreuzförmigen Grabkammer, der westlich hat nur eine rechteckige.

In der östlichen Grabkammer wurde ein großes Steinbassin gefunden, dass nach Aussagen der dortigen Archäologen vor Beginn der Bauarbeiten dorthin geschafft worden sein muss. Der Versuch es von dort zu entfernen schlug jedenfalls fehl. Knowth ist vielleicht berühmt für die Zahl und Pracht der Dekorationen, der wichtigste Fund überhaupt ist allerdings eine kleine Figur.




Künstlerische Revolution?
Die Ausgräber entdeckten die kleine Plastik in der östlichen Grabkammer. In ihrer Form und Ausführung erinnert sie die meisten Betrachter an einen Menschenkopf. Die Interpretation ist streitbar, sicher ist allenfalls, dass es ein außergewöhnliches Artefakt ist, zu dem es kein Pendant zu geben scheint. Ein Archäologe glaubt sogar, dass zur Herstellung eine rotierende (Töpfer-) Scheibe benutzt worden sein muss.

Als Normalsterblichem erschließt sich einem die Faszination dieses Artefaktes übrigens nur schwer, das ist aber nicht so ungewöhnlich. Ich kennen einen ganzen Haufen Archäologen und irgendwie scheint es nicht von Schaden zu sein, wenn man ein paar Risse in der Rauhfaser hat - bildlich gesprochen. Natürlich will ich hier nicht über Archäologen lästern. Das wäre in mancher Hinsicht ein Eigentor, da rein technisch gesehen ich selbst einer bin.

Besonders im Bereich der Ur- und Frühgeschichte fällt es halt manchmal schwer, die Faszination von Objekten nachzuvollziehen. Mein Lieblingsbeispiel dafür sind die sogenannten Pfostenlöcher - schwarze Flecken in der Erde - aus denen Vorgeschichtler dann ganze Paläste rekonstruieren. Da bin ich doch froh, dass ich Klassische Archäologie studiert habe, wo man Leuten nicht lange erklären muss, was sie da gerade sehen. Wenn ich die Wahl habe zwischen der Venus von Willendorf und der Aphrodite von Melos, halte ich persönlich es eher mit Griechenland. Nichts gegen Österreich .


Knowth - verzierte RandsteineAlle Designs von Knowth sind jedenfalls recht progressiv gerade auch im Vergleich zu Newgrange. Die zuständigen Archäologen sehen in den Mustern kontinentale Einflüsse. Sie stehen im klaren Gegensatz zum irischen Hinterland. An anderen Standorten sind die verwendeten Themen viel homogener. Man vermutet in ihnen die traditionelle einheimische Kunst. Zu Knowth vergleichbare Ornamente finden sich dagegen in der Bretagne.

Auch Newgrange bietet die eine oder andere Überaschung, einige der dort verwendeten Motive erinnern an Themen von der iberischen Halbinsel. Der große Eingangsstein von Newgrange scheint dagegen von einem ursprünglich auf den Orkney Inseln beheimateten Dekor inspiriert zu sein.

Das Boine Tal legt den Schluss nahe, dass es schon im Neolithikum einen regen Kulturaustausch zwischen dem Festland und den Inseln gab. Die einheimische Megalithkultur erschufen mit Newgrange und Knowth zwei der bedeutendsten Zeugnisse neolithischer Handwerkskunst und Architektur überhaupt. Sie zählen zu den beliebtesten Ausflugszielen und wichtigsten Mahnmalen irischen Kulturerbes.


Bemerkung: Dieser Artikel entstand ursrpünglich für Freenet und ist dort auch in ähnlicher Form nachzulesen.

 


 

 

 


 

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