In
gewisser Weise ist Malin Head voller Attraktionen. Hier befindet sich
das nördlichste B&B, die nördlichste Jugendherberge, das
nördlichste Lebensmittelgeschäft und mit "Farrens Pub"
natürlich auch die nördlichste Schänke des Landes. Da
muss man schon mal gewesen sein.
So ganz unter uns - viel zu sehen gibt es eigentlich nicht. In unserer
Verzweifelung bewundern wir Radio- und Wetterstation - Antennen halt.
Wenn der Meteorologe in Stimmung ist, gibt er angeblich kleine Rundtouren
durch die Anlage. Er war nicht, so viel scheinen wir aber nicht verpasst
zu haben. Meteorologe ist sicher kein angenehmer Job in Irland, deswegen
präsentieren im Fernseher auch immer Komiker die aktuellen Aussichten.
Man muss die Sache halt mit Humor nehmen.
Die Halbinsel ist durch die Nähe zu Derry touristisch zwar gut
erschlossen, erweckt aber immer noch den Eindruck von Abgelegenheit.
Inishowen glänzt vor allem mit Leere, Stille und unberührter
Natur. Dabei ist die Landschaft bemerkenswert sanft. Trotz seiner Lage
ist der größte Teil der Landzunge geschützt vor der
zerstörerischen Gewalt des Atlantiks. Dieser Eindruck ändert
sich erst, wenn man dem Wanderweg um das Nordkap folgt.
Mächtige Klippen und tiefe und schroffe Buchten eröffnen immer
wieder neue und faszinierende Ausblicke. Von grünen Hügeln
schaut man in dunkle Schluchten wie dem Hell’s Hole, wo sich bei
Flut die Wellen mit ohrenbetäubendem Lärm in der engen Bucht
brechen. Ganz automatisch tritt man einen Schritt zurück. Wie in
Irland üblich ist nichts abgesperrt und wie man uns berichtet,
gab es in der Vergangenheit einige Unfälle, wo unvorsichtige Wanderer
in die Tiefe stürzten.
An Banbas Croan - dem nördlichsten Punkt - erwartet uns
eine kleine Festung. Von hier aus signalisierte man im neunzehnten Jahrhundert
Schiffen, wo es nach Amerika geht. In riesigen Lettern prangt am Strand
EIRE, eventuell ein Überbleibsel aus dem letzten Weltkrieg, um
Flugzeugen zu signalisieren, dass sie auf das neutrale Irland zufliegen.
Sicher ist sicher.
Dank
modernster Technik muss mittlerweile niemand mehr bei Wind und Wetter
am Kap ausharren und Flagge zeigen, mittlerweile gibt es dafür
die Radiostation. Ursprünglich soll die an Ort und Stelle gestanden
haben, irgendwann fiel den Funkern auf, dass es eine Standort etwas
näher an nächsten Schankwirtschaft eigentlich auch tut und
so befindet sie sich jetzt direkt neben dem Crossroads Pub.
Spielt
das Wetter wieder mal so gar nicht mit - die Chancen dafür stehen
in Irland bekanntlich relativ gut - lässt man sich am Besten an
einem warmen Feuer etwas über die guten alten Zeiten erzählen.
Wir wollen ja auch etwas eintauchen in die Geschichte des Ortes. Nun
liegt Malinhead im County Donegal, wo gemeinhin nicht so viel los und
eigentlich auch nie war, trotzdem haben sie es auf einen eigenen Lokalhelden
gebracht.
Der Legende nach hat der berühmteste Sohn der Landzunge - ein gewisser
Owen übrigens, wie die trapsende Nachtigall uns steckt - seinerzeit
den Patrick, den Heiligen entführt und versklavt. Der irische Nationalheilige
hat ihm das offensichtlich nicht zu übel genommen, er taufte und
vergab ihm. Am Ende wurde die ganze Gegend nach dem guten Owen benannt,
so schnell kann das manchmal gehen mit der Karriere und dem Ruhm.
Einen
Übernachtungstipp ist uns das Sandrock Holyday Hostel wert. Es
ist eine der auch in Irland relativ weit verbreiteten unabhängigen
Jugendherbergen, hat alle damit verbundenen Annehmlichkeiten. Rodney
and Margareth - die Besitzer - betreiben das geradezu mondän wirkende
Plätzchen, das mit 10 Euro pro Nacht auch noch ausgesprochen günstig
ausfällt, mit viel Charme.
Die Herberge liegt etwas außerhalb des Dorfes, bis zum Aussichtspunkt
an der Küste entlang sind es von hier nur etwas über 2 Kilometer.
In der sehr gemütliche Stube lässt es sich prima sitzen und
tratschen, Küchenbenutzung ist selbstverständlich inklusive.
Hat man sich erst mal an den Weg gewöhnt, ist es auch nicht mehr
sooo weit zur nächsten Wirtschaft.
Rodney
versicherte mir übrigens, dass Malin Head der sonnigste Platz Irlands
sei und die Wetterkarte regelmäßig falsch. So richtig glauben
kann ich das eigentlich nicht, gebe aber zu, dass ich mir einen fetten
Sonnenbrand geholt habe. Angeblich regnet es hier manchmal monatelang
nicht. Ich gebe diese Information hier einfach mal so weiter, wie gesagt,
so recht glauben kann ich es nicht, wir befinden uns schließlich
im County Donegal und viel mieser kann man rein wettertechnisch nicht
liegen. Ich weiß nicht, wie der Wettbewerb zwischen Donegal und
Connemara steht, allerdings schätze ich, dass sie bei der Zahl
der Regentage ziemlich gleich auf liegen.
Eigentlich macht das gar nichts. Wie gesagt habe ich Innisowen bei gleißenden
Sonnenlicht gesehen und da sieht Irland irgendwie komisch aus. Leicht
neblig mit Sprühregen OK, stahlblauer Himmel und Sonnenbrand, ich
weiß nicht. Ist nichts für mich. ;-)
