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Dingle

Dingle zählt zu den international wohl bekanntesten Ecken von Irland. Die Halbinsel im Südwesten Irlands, direkt oberhalb des Ring of Kerry ist eine atemberaubende Schönheit und zumindest außerhalb der Saison auch eine ruhige.

Die beste Besuchszeit ist in gewissem Maße natürlich wetterabhängig, aber ich sage Mal April/ Mai.


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Dingle ist im Schnitt gerade einmal 9 Kilometer breit und das bei einer Länge von immerhin rund 50 Kilometer. Wie ein Finger ragt sie weit hinein in den rauen Atlantik, Gott sei's gedankt ist sie nicht allein. Auf der Irlandkarte ist sie eine von vier markanten Halbinseln, die den Südwestzipfel Irlands darstellen. Dingle ist in dieser Konfiguration der oberste, sprich Zeigefinger, bildlich gesprochen natürlich nur.

Dingle CliffRein technisch gehört die bergige Halbinsel zum County Kerry. Sie ist gerade zu übersäht mit kulturellen Mahnmalen einer fernen Vergangenheit, die Rundfahrt entlang des Slea Head Drive ist auch eine Reise in die Vergangenheit. Dingle Peninsula geizt nicht mit spektakulären Ansichten; eindrucksvolle Strände, Steilküsten, grüne Hügel, kurz alles was im Westen Irlands ohnehin erwartet. Dazu kommen Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel das Gallarus Oratory. Dabei handelt es sich um einen frühchristlichen Gewölbebau.

Eine weitere Attraktion, wenn auch nicht ganz so beeindruckend, sind die Beehive Huts von Fahan. Auf den ersten Blick könnte man die für eine Kleckerburg halten, nur halt aus Steinen. Ich habe mich belehren lassen, es handelt sich um ein herausragendes Beispiel der sogenannten Trockenmauertechnik. Man lernt ja nie aus.

Es wird vermutet, dass die typischer Weise vier bis fünf Gebäude von einer Familie bewohnt wurden. Ebenfalls aus Steinen wurden Zäune errichtet, die als Gatter fungierten. Die Beehive Huts sind nichts anderes als die in Irland praktisch überall zu findenden Ringforts. Wenn es irgendetwas an der Westküste reichlich gibt (außer Regen) sind es Steine und so macht das alles dann irgendwann auch Sinn.

Was gibt es noch zu sehen? Nun ja, eigentlich das Übliche. Ruinen, Kirchen, Menhire, alte Schlösser und jede Menge Gegend. Warum ist Dingle dann so berühmt? Wir kommen gleich dazu.

Dingle - Klippen und Strände
Dingle - Fantastische Strände umgeben von grünen Hügeln
Dingle - Beehive Huts
Dingle - die bekannten Beehive Huts
Dingle - Slea Head Drive
Dingle - Entlang des Slea Head Drive

Die Halbinsel ist wie schon angedeutet eine der wichtigsten Adressen für Touristen und entsprechend gut erschlossen. Zu den Angeboten zählen die obligatorischen Angel- und Fahrradtouren, wir wären nicht in Irland, könnte man nicht irgendwo Golf spielen, man kann Reittouren buchen, mit dem Planwagen herum fahren, wandern und auch für unverbesserliche und kälteresistente Strandhasen gibt ein paar malerische Flecken.


Von Dingle aus kann man zudem die Blasket Island ansteuern. Die verdienen eigentlich einen eigenen Artikel, aber ich will mich ausnahmsweise mal kurz fassen.

Die Inselgruppe an der Spitze von Dingle ist dieser Tage nicht mehr bewohnt, war es zumindest in Teilen aber bis 1953. Die fünf größeren der Inseln waren zuvor über Jahrhunderte besiedelt gewesen und wenig überraschend hatten die Insulaner eine ganz eigene Art entwickelt, die Dinge anzugehen.

Ihre Gesellschaft beruht auf dem Tauschhandel, die Lebensbedingungen waren hart und vergleichsweise primitiv. Seit dem späten 19. Jahrhundert waren sie daher beliebter Untersuchungsgegenstand von Anthropologen, Soziologen und Sprachwissenschaftlern. Zur Abwechslung brauchten die also nicht nach Papua Neuguinea sondern fanden auf den Blaskets ganz hervorragende Studienobjekte.

Ein interessantes Resultat dieser Besuche war, dass einige der Bewohner anfingen, Autobiografien zu schreiben, bekannt wurden diese als die Blasket Biographies. Der bekannteste Teil dürfte die Autobiografie von Thomas O'Crohan sein. Sie wurde von Annemarie und Heinrich Böll sogar ins Deutsche übersetzt.


Dingle Stadt

Die Ursprünge des Ortes sind nicht so ganz klar, reichen mit Sicherheit aber ins 13. Jahrhundert zurück. Gegen Ende des Jahrhunderts galt Dingle jedenfalls schon als wichtiger Handelshafen in der Region. Über ihn lief ein guter Teil des Handels mit Frankreich und Spanien.

Besonders mit den Spaniern war man eng verbunden. In den Desmond Rebellions 1569 und 1583 schlugen sich die Spanier auf Seite der Iren und unterstützen ihre Auflehnung gegen die bösen Engländer; nicht nur mit schönen Worten wohl gemerkt, sondern auch Truppen. Ein wirklichen Gefallen taten sie ihnen nicht, in der entscheidenden bei Smerwick wurde fast das gesamte spanische und päpstlich-italienische Heer von den Engländern aufgerieben.

Die Rache der Engländer war wie üblich furchtbar. Der Earl of Ormond (Spitzname Der schwarze Graf) tötete Männer, Frauen und Kinder, raubte das Vieh, ließ die Ernte vernichten und alle Häuser auf der Insel zerstören. Die Engländer reagierten traditionell etwas verschnupft, wenn ihre Subjekte sich ihnen widersetzten, selbst für englische Verhältnisse war der Schwarze Graf jedoch ein ziemliches Ar...

Dingle Stadt liegt etwa 30 Kilometer westlich von Tralee und ist mit Auto und Bus relativ gut erreichbar. Es gibt zahlreiche B&B's, Restaurants, Trödelläden und was man sonst noch so in einer der Hochburgen des Tourismus erwarten würde. Der Ort ist trotzdem oder gerade deswegen relativ pittoresk. Der Hafen hält was er verspricht und genau hier treffen wir das erste Mal auf das Phänomen Fungi.

Dingle Stadt
Dingle Stadt gilt als relativ pittoresk
Wrack Dingle
Fast wie in Szene gesetzt ein Wrack im Hafen von Dingle

Wer sich bis dahin nur gewundert hat, warum der Ort ganz im Zeichen von Delfinen zu stehen scheint, wird nun erleuchtet. Seit 1984 treibt sich in der Bucht von Dingle ein Delfin rum, besagter Fungi. Er hat sich zu der Touristenattraktion schlechthin entwickelt, die geschätzt Hälfte der lokalen Wirtschaft basiert mehr oder weniger direkt auf der Präsenz dieses Delfins. So bieten die Fischer Touren an, wo man für schlappe 15 Euro pro Person, Fungi sehen kann, von dem ganzen Trödel in Delfinform reden wir schon eimal gar nicht. Fungi ist ein lokaler Held, wenn auch mittlerweile ein schon recht betagter.

Ein Freund hat mir eine - zumindest im übertragenen Sinne - schöne Fungi-Geschichte erzählt. Ich weiß natürlich nicht, ob sie wahr ist, zutrauen würde ich es ihm aber. Im Rahmen eines ich glaube Schulprojektes statteten er und sein Kumpel der Stadt einen Besuch ab. Dabei kamen Sie auf die glorreiche Idee, ein kleines Experiment zu versuchen. Es sollte einer dieser Feldversuche werden, wie wir sie aus "Die Welle" kennen, wo die Hälfte der Schüler plötzlich Aufseher und die andere Gefangene waren. Man wollte also die Reaktion von Menschen in einer Extremsituation beobachten. Klingt nicht schlecht soweit, ich weiß.

Sein Kumpel positionierte sich also mit einer Kamera in einer der örtlichen Schänken, dann kam S. Er hatte sich in eine Art Kapitän Ahab Outfit geworfen und trug einen gewaltigen Dreizack bei sich. Als er in das Lokal trat, rief er: "I'm here for Fungi", also mehr oder weniger, dass er beabsichtige, den Delfin zu jagen. Die Reaktion der Einheimischen kann man sich ausmalen und ich frage mich bis heute a) wie er da lebend rausgekommen ist und b) wie bekloppt man eigentlich sein kann. Nun ja, sollte nur der Illustration dienen.

Tatsächlich ist es so, dass uns Fungi suspekt ist. Schließlich sind Delfine sehr gesellige Tiere. Offensichtlich muss Fungi also ein ziemlich unartiges Kind gewesen sein, dass ihn seine Horde schon in zartem Alter verstieß. Was genau er angestellt hat, werden wir natürlich nie erfahren.



 


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