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Belfast

Nachdem ich mich so ausführlich über Dublin ausgelassen habe, sollte ich selbiges eigentlich auch über Belfast tun. Schließlich ist auch Belfast eine Haupt- und mit knapp 280.000 Einwohner auch die zweitgrößte Stadt Irlands.

Das Problem liegt auf der Hand: Belfast kenne ich einfach nicht besonders gut. Es mag geographisch zu Irland gehören, politisch gehört es zu Großbritannien, genau den bösen Engländern und deswegen war ich nur ein einziges Mal da. Eigentlich liegt es natürlich weniger an den Engländern als an der Tatsache, dass es ziemlich witzlos ist, von einer Großstadt in die andere zu fahren, wenn man mal ein langes Wochenende hat, aber wir wissen alle, warum der Teufel seine Großmutter erschlagen hat.


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Wappen von Belfast Zu einer richtigen Rundreise gehört Belfast natürlich dazu und - soviel schicke ich voraus - es ist deutlich schöner als Dublin. Der Besuch lohnt sich wirklich und all die Gerüchte über Randale, Mord und Totschlag kann man getrost vergessen. Belfast ist mindestens so sicher wie Dublin. Wenn in der nordirischen Hauptstadt was passiert, weiß es halt die ganze Welt, ein Mord in Dublin, Berlin, Rom oder Tokio ist keiner überregionalen Zeitung eine Meldung wert.

Ich gebe offen zu, dass die Nordiren gelegentlich etwas kokettieren mit ihrer bewegten Vergangenheit, das scheint aber eine Art Galgenhumor zu sein. Man darf sich jedenfalls nicht wundern, wenn an der Garderobe eines Pubs ein Schild hängt, dass man Schusswaffen bitte hinter der Bar abgeben soll für die Dauer des Abends. Ist alles halb so wild!

Belfast liegt im Nordosten der Insel, an der Mündung der Lagan. Es ist politisches, administratives und kulturelles Zentrum von Nordirland. Das wiederum gehört wie wir alle wissen zum Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland, das nämlich ist der vollständige Name des Königinnenreichs von Queen Elisabeth II. und in gewisser Hinsicht natürlich auch Tony Blair dem Scheidenden.

Das hat natürlich Auswirkungen auf den ganz normalen Alltag. Am ehesten spürbar ist das in der Tatsache, dass man hier in Pfund Sterling bezahlt statt in Euro. Währungsumtausch ist unsereiner ja kaum noch gewöhnt und ja es ist so nervig und teuer wie wir es in Erinnerung haben. Es ist nicht alles schlecht am Euro und es wäre fantastisch, wenn die bösen Briten das auch endlich einsehen würden.

Belfast (Béal Feirste) bedeutet ursprünglich "Die Mündung des Farset", den Fluss kann man heutzutage allerdings nicht mehr sehen. Der Wahlspruch der Stadt ist: Pro Tanto, Quid Retribuamus. Das heißt frei übersetzt, "Wie sollen wir das nur wieder zurück zahlen". Diese eigentlich studentische Parole im Bezug auf all die feinen Sachen, die man an der Uni so gelernt hat und den Selbstzweifel, ob man sich dessen denn würdig erweisen werde, wurde in der Vergangenheit häufig und gründlich fehlinterpretiert. So wurde Pro Tanto, Quid Retribuamus als Schlachtruf im Widerstand missbraucht. Ob die IRA jemals die feine Ironie des Ganzen erkannt hat, ist mir nicht bekannt.


Geschichte

Die Stadt ist eine Gründung aus dem frühen 17. Jahrhundert (1603), doch schon seit dem 12. Jahrhundert (1177) gab es hier eine normannische Feste, in deren Dunstkreis man schottische Presbyterianer ansiedelte. Die Presbyterianer sind - all zu tief möchte in das Thema nicht eintauchen - Angehörige der angelsächsisch reformierten Kirche, kurz gesprochen der insulanische Zweig der Protestantischen Kirche. Im erzkatholischen Irland war das natürlich ein Affront und er war gewollt. Ein großer Teil der Probleme Nordirlands geht auf diese frühe Siedlungspolitik der Engländer zurück. Heutzutage ist es freilich nur noch eine Ausrede, um sich gelegentlich die Schädel einzuschlagen, mit Religion hat das schon lange nichts mehr zu tun.

 

Universität in Belfast
Universität von Belfast

Seit dem späten 17. Jahrhundert wuchs mit der Leinenindustrie auch die Bedeutung Belfasts. Ab dem 18. Jahrhundert begann der massive Ausbau des Hafens und die Ansiedlung bedeutender Werften. Die wohl bekannteste war Harland and Wolff. Die Werft verfügte über das größte Trockendock der Welt. Das bekannteste hier gebaute Schiff war natürlich die Titanic, was daraus wurde, ist bekannt.

In unmittelbarer Nachbarschaft siedelten sich die Short Brothers an, ein bedeutender Flugzeughersteller seiner Zeit und Grund, warum Belfast beliebtes Ziel deutscher Bomber wurde. Verheerende Angriffe im Frühjahr 1941 zerstörten bedeutende Teile des Hafens und richteten schwere Schäden in der Stadt an.

Regelmäßig in die Schlagzeilen kam Belfast ab dem Jahre 1969, als bürgerkriegsähnliche Unruhen Nordirland ergriffen. In mancher Hinsicht schwelt der Konflikt noch heute, offiziell ist seit dem Karfreitagsabkommen von 1998 Ruhe. Das noch lange keine Normalität eingekehrt ist, zeigt allein schon die Tatsache, dass Regierung und Parlament von Nordirland im Jahre 2002 suspendiert wurden und London die Amtsgeschäfte übernahm.

Wer nun denkt, dass Großbritannien die Nordiren gegen ihren Willen im Staatenverband festhält, liegt daneben. Die Nordiren haben durchaus die freie Wahl, wenn sie denn nur wollen. Allerdings sind weder die Briten noch die Republik Irland besonders interessiert, sich den Klotz Nordirland ans Bein zu binden und die pro-irische Sinn Féin (SF) und SDLP (Social Democratic and Labour Party) wissen das sehr genau.

Vor allem die Sinn Féin, auch wenn sie es gern bestreiten, so gilt doch als gesichert, dass sie der politische Arm der Terrororganisation IRA sind, hat kein übermäßiges Interesse an der Wiedervereinigung. Schließlich würde sie in mancher Hinsicht obsolet, wenn dieses Ziel einmal erreicht wäre. Vor allem die Rolle von Parteipräsident Gerry Adams gibt immer wieder Anlass zur Spekulation. Um Politik soll es hier eigentlich aber gar nicht gehen, also wenden wir uns dem eigentlichen der Veranstaltung zu: der Stadt selbst.


Ansichten

Die vielleicht bekannteste Ansicht von Belfast ist City Hall am zentral gelegenen Donegall-Square. Das Rathaus wurde im Jahre 1903 erbaut und ist angeblich ein gutes Beispiel für ein klassisches Renaissancegebäude. Wie das in das frühe 20. Jahrhundert passt, konnte man mir nicht wirklich erklären.

Belfast City Hall
City Hall am Donegall Square in Belfast

Gebaut wurde es, um Belfast neu erlangten Status als Stadt zu reflektieren. Den hatte es 1888 von Queen Victoria verliehen bekommen. Ich vermute einmal, da der Bau in die Regierungszeit von Edward II. fiel, nennt man es auch eine Edwardsche Hochzeitstorte. Die Kuppel ist stolze 53 Meter hoch. Über dem Tor thront eine "Hibernia, die Handel und Kunst in der Stadt fördert".

Auf jeden Fall ist der Bau ein echter Blickfang und sicherlich eines der beliebtesten Fotomotive der Stadt. Man kann es sich übrigens auch von innen ansehen, muss dann allerdings eine Führung mitmachen. Immerhin ist die kostenlos.

Ebenfalls zum Ensemble am Donegall-Square gehört die Linen Hall Library, eine öffentliche Bibliothek. Hier gibt es unter anderem eine Ausstellung über den Widerstandskampf der IRA und natürlich den langen Weg zum Frieden.


Mittlerweile ist ein guter Teil der Belfaster Innenstadt autofrei. Das war ursprünglich den häufigen Bombenanschlägen geschuldet, mittlerweile haben die Belfaster die nicht zu leugnenden Vorteile dieser Regelung erkannt, auch wenn die Gefahr von Anschlägen heute eher gering ist.

Belfast Theological College
Belfast Theological College

Ebenfalls im City Centre befindet sich das Grand Opera House aus dem Jahre 1894, gleich gegenüber der Crown Liquor Saloon, angeblich ältestes Pub von Nordirland. Er gehört dem National Trust und ein echtes Schmankerl für jeden, der gern in einem etwas mondäneren Ambiente sein Pint genießt. Das Interieur ist vom feinsten. Einige der Paneele im ersten Stock waren angeblich für die Brittanica gedacht, das Schwesterschiff der Titanic also. Unten finden sich italienischer Marmor, prächtige Glasarbeiten und kuschelige kleine Separées für Scheue und Verliebte.

Weitere Sehenswürdigkeiten wären da die Kathedrale St. Anne, von der man sagt, dass es zwar 77 Jahre gedauert hätte, sie zu bauen, aber das sich die Wartezeit gelohnt habe und Belfast Castle. Letzteres geht auf die alte Normannenburg aus dem 12. Jahrhundert zurück und was die 77 Jahre Bauzeit für die Kathedrale angeht, darüber können zum Beispiel Kölner sicherlich nur schmunzeln. Die Bauzeit des Doms betrug soweit ich mich entsinne über 600 Jahre. Dafür ist er natürlich auch etwas größer ausgefallen.


Einer meiner persönlichen Favoriten ist Queen's University mit ihrem beeindrucken botanischen Garten und einigen lauschigen Studentenpubs in der näheren Umgebung. Wer sich nur ein Museum in Belfast ansehen möchte, sollte sich an das Ulster-Museum halten. Highlight der Sammlung sind die Funde des 1588 gesunkenen Schiffs "Girona". Es gehört zur berühmten spanischen Armada. Was aus der wurde, wissen wir natürlich. Wo wir gerade bei Schiffen sind, den Hafen sollte man sich auf jeden Fall ansehen. Dort gibt es jeden Menge zu sehen, unter anderem das ehemalige Hauptquartier der legendären Harland & Wolff Werft, mehrere Trockendocks und die HMS Caroline am Alexander Dock.

Die alte Dame hat es zu einigem Ruhm gebracht. Sie wurde gebaut im Jahre 1914, ist der zweitälteste von vornherein als Kriegsschiff in Auftrag gegebene Kreuzer der Royal Navy und wohl einzige Überlebende der Schlacht von Jutland im Mai 1916. Briten haben für so etwas einen Sinn, auch wenn es einem als Deutschen manchmal etwas komisch vorkommt, wenn die Briten in den guten alten Empire-Zeiten schwelgen.


Mural mit dem Porträt des unvergessenen Bobby Sands, geräubert von der Wikipedia

Einen Blick in die neuere Geschichte kann man an der sogenannten Peace Line werfen. Schön ist die nicht aber sehr historisch. Die Mauer trennt das Wohngebiet der katholischen Nordiren (Falls Road) von dem der Protestanten (Shankill Road) und es wird einem allenthalben nahe gelegt, die Gegend nach Einbruch der Dunkelheit zu meiden. Dem schließe ich mich mal an, meinetwegen kann man die Gegend sogar am Tage meiden. Wer eine Mauer sehen möchte, sollte lieber nach Berlin fahren. Sehenswert sind dagegen die sogenannten Murals. Das sind politisch inspirierte Wandmalereien, das Beispiel zeigt ein Porträt des unvergessenen Bobby Sands.


Dass Belfast mehr zu bieten hat, als nur ein paar alte Steine und Terroristen beweist es spätestens am neu gestalteten Flussufer. Hier findet der Besucher moderne und ansprechende Architektur unter anderem das durchaus sehenswerte und besuchenswerte Odyssey Center.

Belfast ist aufgebrochen zu neuen Ufern und will nicht länger im Schatten seiner Vergangenheit leben. Das merkt man der Stadt geradezu an. Sie ist freundlich, aufregend, nicht mehr so sehr ein politisches als viel mehr kulturelles Zentrum. Die Preise sind moderat, vor allem wenn man gerade aus Dublin kommt, und Raucher werden zu schätzen wissen, dass man nicht vor die Tür rennen muss, wenn man seinem Laster frönen möchte.


 

 

 


 

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