Die Hauptstadt des Westens
Galway
(irisch: Gaillimh) ist die Hauptstadt der Grafschaft
County Galway in der Provinz Connacht und ganz nebenbei die
bedeutendste Metropole des westlichen Irland. In absoluten Zahlen
gesprochen hat die Stadt gerade einmal 71.983 Einwohner, es
geht also noch recht beschaulich zu.

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Die Bedeutung Galways hat in den letzten 20 Jahren stark zugenommen.
Man ist Universitätsstadt und sowohl wirtschaftlich als auch kulturell
eines der Zentren der Insel. Obwohl rein technisch nur viertgrößte
Stadt der Republik wird sie - im Sinne eines wirtschaftlichen und kulturellen
Zentrums - oft an Nummer zwei und noch vor Cork und Limerick genannt.
Galway
liegt an der gleichnamigen Bucht. In die ergießt sich der Fluss
Corrib (Gaillimh) und er prägt auch das Stadtbild der
Metropole des Westens. Ursprünglich bildete er die Westgrenze der
Siedlung, die damals allerdings noch "Dún Bhun na Gaillimhe"
hieß. Mein Irisch hält sich ja in starken Grenzen, mir wurde
allerdings zugetragen, dass der Name übersetz bedeutet: Fort an
der Mündung des/r Gaillimh. Gaillimh wiederum bedeutet steinig.
Da das etwas zu popelig ist für einen so herausragenden Ort wie
Galway, gibt es dazu natürlich noch eine etwas blumigere Erläuterung.
Man will ja im rechten Licht erscheinen.
In einer Variante könnte man "Fort an der Mündung des
steinigen Flusses" auch als "Stadt der Ausländer"
übersetzen. Nun ist das weder besonders klangvoll noch inspirierend
also gibt es noch eine mythische Herleitung des Namens.
Demnach ertrank eines nicht so schönen Tages die holde Gailleamh,
ihres Zeichens Tochter des lokalen Clanoberhaupts, im örtlichen
Fluss. Der Verlust betrübte den Häuptling so sehr, dass er
an der Flussmündung sein neues Camp aufschlagen ließ, damit
er in aller Ruhe um sie wehklagen könne und ihr auch nach dem Tod
Gesellschaft leisten. Aus dem Camp wurde schon bald ein kleiner Ort
und da der früher oder später einen Namen brauchte, nannte
man ihn im Gedenken an die Verblichene Gailleamh. Nun wissen wir Bescheid.
Ganz nebenbei heißt Galway übrigens auch die "Stadt
der Sippen" (City of Tribes), weil sie zeitweise von 14
"Tribes" - gemeint sind in diesem Zusammenhang Händlerfamilien
und nicht wie eigentlich nahe liegend Stämme - regiert wurde. Der
Begriff war übrigens abwertend gemeint und stammte noch aus den
Tagen Cromwells. Die Händlerfamilien betrachteten sich selbst eher
als englischen Adel, behielten den Namen aber als eine Art Trotzreaktion.
Genealogien sind in Irland übrigens mit gutem Grund so wichtig.
Wenn man sich gelegentlich etwas länger über Ursprung und
Abstammung auslässt und die Zahl der Experten auf diesem Gebiet
überdurchschnittlich hoch ist, liegt das vor allem daran, dass
es hier kaum so etwas wie Grundbücher gibt, man über die Zugehörigkeit
zu einer bestimmten Familie also auch Ansprüche ableitet. So wurde
es mir jedenfalls mal erklärt, für die Richtigkeit übernehme
ich keine Garantie, vielleicht stehen die Iren auch einfach nur auf
illustre Stammbücher.
Die genauen Ursprünge Galways liegen etwas im Dunkeln. Das erwähnte
Fort datiert zurück in das Jahr 1124, es kann allerdings nicht
ausgeschlossen werden, dass es zu diesem Zeitpunkt schon eine Siedlung
gab. Angeblich attackierten in Limerick beheimatete Dänen die Gegend
schon im 9. und 10. Jahrhundert, was genau sie dort attackierten, ist
allerdings nicht bekannt. Wir bleiben also bei 1124. Das Fort entstand
auf Weisung des Königs von Connacht, der auf den eingängigen
Namen Tairrdelbach mac Ruaidri Ua Conchobair hörte oder
auch Turlough O Connor. Die "Annalen der Vier Meister" (Annals
of the Four Masters und ich habe keine Ahnung was das ist) vermerkten
für besagtes Jahr, dass drei Burgen von den Connaught men errichtet
wurden: Dun-Leodhar, Gaillimh und Cuil-maeile.
Gaillimh wurde zur Marinebasis des Königs von Connacht und als
solche ein beliebtes Angriffsziel. Feindliche Attacken vermelden die
Chroniken zum Beispiel aus den Jahren 1132 und 1149. Im Jahre 1232 war
es dann soweit, Richard Mor de Burgh eroberte den Ort nach zunächst
erfolgloser Belagerung. Alles in allem bekam den "Gaillimhern"
(meine zugegeben rein spekulative Bezeichnung der Bewohner von Gaillimh)
die Eroberung nicht schlecht. Unter den de Burghs entwickelte sich der
Ort zu einer kleinen Stadt und sogar eine Stadtmauer wurde gebaut. Die
de Burghs regierten bis ins Jahr 1333, danach suchte Galway sein Glück
in der Unabhängigkeit. Die 14 Tribes übernahmen die Macht.
Im Jahre 1396 wurde ihr endlich auch ganz offiziell Stadtrecht von der
Krone gewährt und - offenbar nachträglich - auch die Erlaubnis,
Befestigungsanlagen zu errichten. Das war dringend notwendig, denn man
sah sich praktisch ständig irgendwelcher Attacken durch die Clans
im Umland ausgesetzt. Zeitweise war es Einheimischen verwehrt, die Stadt
zu betreten. Einheimisch dürfte sich dabei auf die Bewohner des
Umlandes beziehen.
Im 15. Jahrhundert ging der englische Einfluss zurück, dafür
intensivierten sich die Handelsbeziehungen mit Spanien und Portugal
und entsprechend mehrte sich auch der Reichtum der Stadt. Das konnte
sich die Bethen (die keltische Schicksalsgöttinnen) offensichtlich
nicht länger mit ansehen, 1473 wurde Galway durch einen Großbrand
zerstört. Damit keine Missverständnisse aufkommen, die Bethen
wurden nie rechtskräftige verurteilt und ich möchte hier auch
keine Gerüchte in die Welt setzen. Vielleicht war es auch ein Unfall.
Der genaue Hergang mag unklar sein, Fakt ist, dass die Stadt wieder
aufgebaut wurde.
Es folgte eine Phase der relativen Ruhe, zumindest bis in die Mitte
des 17. Jahrhunderts. Nach Ausbruch des irischen Aufstandes 1641 steckte
Galway, nennen wir es der Einfachheit halber schon mal so, in einer
Zwickmühle. Die meisten Bewohner der Stadt waren mindestens genauso
katholisch wie der Rest der Aufständischen, allerdings hatte man
ein stark befestigtes Fort vor den Stadttoren, dass von Protestanten
gehalten wurde. Was tun? 1642 schlug das Pendel zugunsten der Aufständischen
aus, man attackierte die Festung und eroberte sie nach kurzer Belagerung
schließlich auch. Die die dort stationierte Garnison trat den
taktischen Rückzug über See an.
Die Briten sind nicht dafür bekannt, in solchen Fällen lange
zu fackeln. Mit dem Selbstbewusstsein eines Siegers, immerhin hatte
er gerade den englischen Bürgerkrieg für die Parlamentarier
entschieden (der Krieg endete mit der Hinrichtung König Karls I.),
beschloss der im Zusammenhang mit irischer Geschichte schon mehrfach
genannte Oliver Cromwell der Grünen Insel seine Aufwartung
zu machen. Und natürlich führte er nichts Gutes im Schilde.
Ganze neun Monate belagerte er die Stadt, 1652 stürmte er sie schließlich.
Es folgten Seuchen und Vertreibung, es dauerte Jahre, bis sich die Stadt
davon einigermaßen erholte. Die nächste schwere Krise ließ
jedoch nicht lang auf sich warten. Im "Krieg der zwei Könige"
schlugen sich die Galwayer auf die Seite der Jakobiten. Nachdem Wilhelm
von Oranien sich gegen den renitenten Jakob II. durchgesetzt
hatte, stattete er auch Galway einen Besuch ab. 1691 ergab man sich,
diesmal ohne sich auf eine lange Belagerung einzulassen. Kurz davor
hatte Wilhelm die jakobitischen Truppen im nahe gelegenen Aughrim vernichtend
geschlagen. Als Resultat der Eroberung versank Galway für fast
300 Jahre in die Bedeutungslosigkeit.
Galway galt fortan als potenziell verdächtig und selbst als die
repressiven Bestimmungen, denen man vorher unterworfen waren, schließlich
aufgehoben wurden, erholte sich die Stadt nur langsam. Der Hafen war
verfallen, Schmuggel entwickelte sich zur einzigen lukrativen Form des
Seehandels. Im 19. Jahrhundert ging es für eine Weile bergauf,
die große Hungersnot setzte dem ein jähes Ende. Besonders
das Hinterland der Stadt litt furchtbar in diesen Jahren. Während
andere Orte eine wahre Bevölkerungsexplosion erlebten, ging die
Einwohnerzahl von Galway in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
sogar zurück.
Ernsthaft aufwärts ging es ab 1845 mit der Gründung der "Queens
University of Ireland", 1850 wurde die Stadt an das Eisenbahnnetz
angeschlossen. Der erste Schritt war gemacht, Galway aus dem langen
Tal der Tränen zu holen und man nutzte die Chance. Aus den Aufständen
des frühen 20. Jahrhunderts hielt man sich weitgehend heraus und
es zahlte sich aus. Heute ist die Stadt nach Dublin die vielleicht wichtigste
Metropole der Republik Irland und mit weitem Abstand die Nummer eins
im irischen Westen.
Galway ist heute vor allem für sein kulturelles Angebot gerühmt.
Zudem gilt es als eines der Zentren der irischen Sprache (Gälisch).
Die hat es im modernen Irland nicht leicht, die überwiegende Mehrheit
der Bevölkerung spricht heutzutage Englisch als erste Sprache.
An der Westküste hat sich die so genannte Gaeltacht etabliert,
ein Streifen, der sich besonders um das sprachliche und damit kulturelle
Erbe der Insel bemüht.
So hat auch der irische Fernsehsender TG4 hier in Galway sein Hauptquartier
aufgeschlagen. Zur Erläuterung muss man anmerken, dass das irische
Staatsfernsehen RTE (vergleichbar der ARD und ZDF) ausschließlich
in Englisch ausstrahlen. Soweit ist es also schon gekommen. Für
mich ist es natürlich gut. Wenn ich einen Fernseher hätte,
könnte ich immer fein RTE gucken und mich auf dem Laufenden halten,
was das irische Tagesgeschäft angeht.
Das Wahrzeichen der Stadt ist wohl St. Nicholas' Collegiate Church.
Es ist die größte, heute noch benutzte, mittelalterliche
Kirche Irlands. Sie geht bis in das Jahr 1320 zurück. Sie findet
sich im Herzen der Stadt. Ganz besonders beeindruckend ist auch die
"Cathedral of Our Lady Assumed into Heaven". Die beiden Kirchen
bilden ein imposantes Duo. Die erst 1965 geweihte Kathedrale imitiert
erfolgreich einen eleganten Renaissance Stil und soll in Teilen inspiriert
worden sein von einer spanischen Kirche in Salamanca.
Galway ist beinahe eine eigene Reise wert. In der Innenstadt lässt
es sich herrlich schweifen, dass es dazu eine stattliche Anzahl von
Pubs gibt, in den man sich unter die Einheimischen mischen kann, dürfte
keiner weiteren Erläuterung bedürfen.
Zudem ist Galway eine gute Ausgangsbasis für Ausflüge zum
Beispiel an die Cliffs of Moher oder auf die Aaran Islands.