Reiseführer Dublin



Temple Bar


Temple Bar ist nach eigener Darstellung das „Kulturviertel“ von Dublin. So kann man es auch formulieren. In der Hauptsache ist das Gebiet am Südufer der Liffey aber die Partyzentrale der irischen Hauptstadt. Hier brennt 7 Tage die Woche die Luft. Eine höhere Pubdichte gibt es wohl nirgends auf der Insel. Damit avancierte Temple Bar zum Touristenmagneten schlechthin. Dabei gibt es eine ganze Reihe von Gründen, dem Viertel einen Besuch abzustatten.

Temple Bar - Oliver St. John Cogarty

Temple Bar - The Oliver St. John Cogarty


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Unter Temple Bar versteht man das Gebiet zwischen Westmoreland Street im Osten und Fishamble Street im Westen. Im Gegensatz zum Rest der Stadt hat es sich seinen mittelalterlichen Charme bewahrt und daran ändern auch schlimme Bausünden wie die Zentralbank nichts. Schmale Gassen mit Kopfsteinpflaster prägen das Bild. Dass noch so viel Bausubstanz erhalten ist, verdankt Temple Bar einigen glücklichen Zufällen. Eigentlich war es schon zum Abriss freigegeben.

Mit der Beliebtheit des Viertels ging es schon im 19. Jahrhundert bergab, im 20. Jahrhundert verfiel es zusehends. Vermutlich rettete es gerade dieser desolate Zustand vor den Baulöwen der sechziger Jahre, die sich in anderen Stadtteilen austobten und vieles von der historischen Schönheit Dublins zerstörten. In den 1980ern schlug die Transportbehörde vor, hier einen Bus Terminal zu bauen. Dazu wurden sogar schon Flächen und Gebäude erworben, die dann abgerissen werden sollten.

Während der Planungsphase zu diesem Mammutprojekt wurden diese Gebäude für extrem niedrige Mieten angeboten, was nun wiederum kleine Shops, Galerien und Szenetypen wie Künstler und Musiker anzog. In kürzester Teil avancierte die ungeliebte Temple Bar zu einem Szeneviertel sondergleichen. Die neuen Bewohner ließen sich nicht so einfach vertreiben. Nach massiven Protesten wurden die Pläne zum Busterminal schließlich beerdigt und Temple Bar, wie wir es heute kennen, war geboren.

 

Neben den zahlreichen Kneipen findet der geneigte Besucher hier allerdings auch einige herausragende Kulturinstitutionen. Dazu zählt das von mir hoch verehrte Irish Photography Centre, wo regelmäßig hochinteressante Ausstellungen stattfinden. Das Center umfasst neben der Galerie auch noch das Nationale Foto Archiv und das Dublin Institute of Photography, welches unter anderem auch Kurse für Menschen wie du und ich anbietet, wo man die hohe Kunst des Film entwickeln lernen kann, was dieser Tage ja eine aussterbende Kunst ist.

Ebenfalls in Temple Bar befindet sich das Irish Film Institute. Dazu zählen unter anderem auch das Temple Bar Music Centre und (kleiner Geheimtipp) die Gaiety School of Acting. Die Studenten dort führen regelmäßig kleine aber feine Stücke auf. Wer sich also für modernes, irisches Theater interessiert, hat hier oft Glück. Zunehmender Popularität erfreut sich das Wachsmuseum (National Wax Museum Plus am Foster Place).

In Temple Bar befindet sich auch die Börse und die Central Bank of Ireland. Darüber, dass letztere in das mittelalterliche Viertel passt, wie ein Wikinger auf ein Galadinner der First Lady kann man sich empören, man kann es aber auch als Warnung sehen, was aus Temple Bar hätte werden können, wenn die Dinge etwas anders gelaufen wären.

 

In Tempel Bar gibt es mehrere Hotels Gästehäuser und sogar Hostels. Markante Treffpunkte sind die beiden frisch renovierten Plätze: Meetinghouse Square und Temple Bar Square. Auf beiden tobt das Leben. Sie sind beliebte Stellplätze bei Straßenmusikern. Was ich hier unter Straßenmusiker abtue, sind oft professionelle Bands und in den meisten Ländern würden die wohl Konzertsäle füllen. Es lohnt sich überraschend oft, für eine Weile innezuhalten und die Show zu genießen. In den Sommermonaten wird der Meetinghouse Square auch gern als Kulisse für Dreharbeiten genutzt. Samstag/ Sonntag findet auf dem Temple Bar Square der Buchmarkt statt.

 

Damit kommen wir zum Hauptgrund, in die Temple Bar zu ziehen: Nachtleben.

Temple Bar ist eben nicht nur ein Kulturviertel sondern vor allem auch bekannt für seine feuchtfröhliche Ausschweifungen. Hier befinden sich einige der bekanntesten Dubliner Kneipen und Bars. Am bekanntesten ist vermutlich The Temple Bar, ist ja auch ein eingängiger Name. Ins Auge sticht – und das ist wörtlich zu verstehen – Oliver St. John Gogarty, ein schönes Beispiel dafür, dass es gute Gründe gibt, warum andere Länder in Sachen Fassadengestaltung rechtliche Grenzen bei der Farbauswahl setzen.

Eine gute Wahl sind The Porterhouse in der Parliament Street, das Foggy Dew gegenüber der Zentralbank und – je nach Band – Eamonn Doran's. Das Fitzsimmons ist meist krachend voll (mit Touristen), dasselbe gilt für das eigentlich gemütliche Auld Dubliner. Akzeptabel aber recht klein ist Quays Bar, mit dem Purty Kitchen konnte ich persönlich noch nie viel anfangen. Wer einfach mal unkompliziert abhotten will, ist mit dem Czech Inn gut bedient, das Turks Head hat ebenfalls seinen Charme, vor allem wenn da der Amateurtanzklub übt.

Erwähnenswert ist noch die Palace Bar in der Fleet Street. Deren berühmtester Gast war Flann O'Brien (bzw. Brian O'Nolan wie er eigentlich hieß). Zu seinen Tagen als Kolumnist der Irish Times betrieben die Kollegen in der Palace Bar den sogenannten Emergency Room. Die Bar ist nach wie vor ein guter Ort für ein ruhiges Pint und in so historischem Ambiente – immerhin ist die Palace Bar eines der ältesten Pubs der Stadt – trinkt es sich entspannt.

Auf der diametral gegenüberliegende Seite von Temple Bar würde ich noch das Thomas Read erwähnen. Das ist im Erdgeschoss ein solides Pub, im Keller geht richtig die Luzie ab. Wer gern zu alternativer Musik rockt, wird hier glücklich werden.

Eine ganz besondere Location ist das Olympia Theatre an der Dame Street. Gelegentlich finden da sogar Rock Konzerte statt. In einem solch edlen Ambiente den Klängen von zum Beispiel Dropkick Murphys zu lauschen, ist definitiv ein Erlebnis.