Wexford

Wexford

Wexford liegt am südöstlichsten Zipfel Irlands, ist bekannt für seine Natur und vor allem endlose Strände. Die mögen in einem Land wie Irland etwas deplatziert wirken, tolle Spaziergänge kann man hier trotzdem machen.

Irische Strände haben gerade im Sommer etwas von Winter an der Nordsee; vielleicht auch eher Spätherbst. Es gibt natürlich die berühmten Ausnahmen von der Regel, wo es nicht aus Eimern schüttet. An einem warmen und sonnigen Nachmittag müssen die irischen Strände keinen Vergleich scheuen.

Wexford ist als Stadt nicht nur einigermaßen winzig sondern auch relativ unspektakulär. Es gibt einen kleinen lauschigen Hafen, ein paar Kirchen, enge Gassen mit den einigermaßen typischen schiefen kleinen Häusern und eine verfallene Abbey. Im Zentrum gibt es ausreichend viele B&B’s (Bed and Breakfast), eine Unterkunft zu finden sollte kein Problem sein.

Das eigentliche Highlight von Wexford ist die nähere Umgebung. Wenn man von Dublin aus die N11 herunterkommt, hat man einen fantastischen Blick über die Stadt. Sie ist umgeben von grünen Hügeln, einer weit ausladende Bucht (Loch Garman) mit bemerkenswert engem Eingang – über eine Brücke kommt man vom Hafen aus auf die andere Seite. Dort befindet sich das Wexford Wildlife Reserve.

Für Leute, die es nicht eilig haben, empfiehlt es sich, die N11 zu vermeiden und stattdessen nach der R 741 Ausschau zu halten. Für Leute die es eilig haben, ist die N11 übrigens auch nicht zu empfehlen. Der Verkehr auf dieser sogenannten National Road ist oft genug ein ziemlichen Albtraum. Viele Iren sind an sich schon keine besonders guten Autofahrer und hier kommt hinzu, dass auch Traktoren die Strecke schätzen und entsprechend oft frequentieren.

Fährt man gemütlich die R 741 entlang, hat man immer eine schöne Aussicht und schaltet ruhigen Gewissens einen Gang hinunter. Kurz vor Wexford kommt man am bereits erwähnten Wexford Wildlife Reserve vorbei, ein kleiner Spaziergang lohnt sich hier immer. Das Gebiet ist ein beliebtes Winterquartier für Gänse aus Grönland und Sibirien, im Sommer tummeln sich in der Hauptsache einheimische Gattungen.

So richtig viele Attraktionen hat Wexford wie gesagt nicht zu bieten. An der Wexford Bridge massakrierten sich 1798 Katholiken und Protestanten, die alte Brücke gibt es aber schon lange nicht mehr. In der Selskar Abbey tat 1172 König Heinrich II. Buße für den Mord an Thomas Becket. Die Abbey ist heute ein kleine aber schöne Ruine, in der mittlerweile grüner Rasen und wilde Blumen das Bild dominieren.

Ziemlich direkt neben der Abbey gibt es den letzten noch erhaltenen Turm aus der Zeit der Normannen zu bewundern. In diesem Westgate Tower befindet sich auch das Heritage Centre, wo man sich etwas fundierter über die Geschichte der Stadt informieren kann.

Mein persönlicher Favorit ist der kleine Hafen der Stadt. Zwar gibt es hier richtige Schiffe, so richtig Hektik bricht aber nicht aus. Auf der Mole kann man sich prima niederlassen und die Seele baumeln lassen. Direkt an der fährt übrigens auch der Intercity nach Dublin entlang. Extra abgesperrt wurden die Gleise deswegen nicht, nachdem man der “Durchfahrt” eines solchen Fernzuges zugeschaut hat, weiß man auch warum. Es ist völlig überflüssig.

Wexford
Wexford


Besonders lustig ist es übrigens am unbeschrankten Bahnübergang an der Wexford Bridge. Trotz auffällig rot blickender Warnleuchten, intensivem Gebimmel der Warnglocken und dem ohrenbetäubenden Gehupe des Zugführers schaffte es ein Autofahrer, den Zug zu übersehen und ihm die Vorfahrt zu nehmen. Der Lokführer scheint solche Aktionen gewöhnt zu sein, er hatte zum Glück prophylaktisch gebremst.

Kommodore John Barry kann angesichts solcher autofahrerischen Großleistungen sicher nur den Kopf schütteln. Der Begründer der amerikanischen Navy wurde im County Wexford geboren. Ihm zu Ehren wurde im Hafen eine Statue errichtet und wie wir lesen, haben der schon zwei US-Präsidenten die Aufwartung gemacht. Das waren Dwight D. Eisenhower und natürlich der in Irland besonders hoch geschätzte John F. Kennedy. Da verneigen wir uns natürlich auch.

Mein ganz persönlicher Eindruck von Wexford war eher gemischt. Das lokale Stadtvolk erschien mir etwas skurril, vorsichtig gesprochen. Woran das liegt, vermag ich nicht zu sagen, allerdings wurde mir dieser Eindruck von anderer Seite bestätigt. Eine der beliebtesten Lokalitäten der Stadt heißt Undertaker Bar, übersetzt so viel wie Bestatter Bar im Sinne eines Beerdigungsunternehmers. Der Laden ist durchaus lauschig, irgendwie aber auch symptomatisch. Ich hatte jedenfalls einige eher eigenwillige Unterhaltungen mit den Wexfordern.

Vielleicht liegt es daran, dass die Stadt zur Zeit einer großen Baustelle gleicht. Der damit verbundene Lärm und die Unruhe mag Quell einer gewissen Ungehaltenheit und Ungeduld gewesen sein, die einem hier relativ schnell aufstößt. Eigentlich ist so etwas eher untypisch für Kleinstädte und ganz besonders in Irland. Nun ja, was soll’s?

Mein durchwachsener Eindruck änderte sich schlagartig in der näheren Umgebung der Stadt. Sofort begegnete mir wieder die Freundlichkeit, der Langmut und die Gemütlichkeit, die besonders für das ländliche Irland so typisch sind. Dublin ist weit weg und das merkt man auch. Einsame Strände, schier endlose Dünen, weit und breit einfach überhaupt gar nichts. Ganz vereinzelt finden sich kleine Häuschen, mehr und mehr gesellen sich auch neumodischen Villen dazu, die mehrheitlich anscheinend von vermögenden Engländern bewohnt werden. So wurde mir es jedenfalls zugetragen. Ruhig geht es trotzdem zu.

Einige gestresste Dubliner haben hier, mitten in der Wildnis, ihr Wochenenddomizil aufgeschlagen. Sie kampieren in von außen vielleicht etwas schäbigen, nichts desto trotz aber urgemütlichen Wohnwagen. Für einen einsamen Reisenden hatten sie dann auch noch ein Bettchen frei und so war ich nach einer unterhaltsamen Nacht am Lagerfeuer unter Sternen am nächsten Morgen etwas verkatert, aber deutlich versöhnt mit meinem kleinen Trip nach Wexford.

Vielen Dank noch einmal an Aoife (Eva) und Derek, Rachel, Mitch, John und all die anderen, deren Namen ich mir leider nicht merken konnte.

Kommentar hinterlassen